Die Serviettentechnik gehört zur Decoupagetechnik, die es schon seit einigen Jahrhunderten gibt. Ursprünglich wurde hier Papier oder Stoff mit Decoupagekleber auf einen Gegenstand geklebt, um einen Porzellaneffekt zu erreichen. Der Kleber wurde wieder und wieder aufgetragen und zwischendurch abgeschliffen bis die Oberfläche glatt war und die Erhebungen, die das aufgeklebte Papier bzw. der aufgeklebte Stoff verursacht haben, vollständig verschwunden waren.
Mit einem solchen Kleber, dem ModPodge-Kleber, wurde von der Fa. Plaid vor einigen Jahren eine neue Technik vorgestellt. Mit einem Bügeleisen wurde die oberste Schicht einer Serviette auf Blumentöpfe, die mit ModPodge grundiert waren, geklebt. Die Hitze des Eisens ließ den Kleber wieder klebrig werden und so haftete die Serviette sehr gut darauf. Der Effekt war ein anderer als bei der klassischen Decoupage, denn anstelle des Porzellaneffektes sehen aufgeklebte Servietten aus, als wären die Motive selbstgemalt. Ein mehrmaliges Auftragen des Klebers entfällt, da die Serviette so dünn ist, dass ein Höhenunterschied kaum zu erkennen ist.
Bald folgten andere Kleber, die einfacher von der Handhabung her waren. So musste nicht mehr gebügelt werden, sondern die Serviette wurde direkt mit dem Kleber behandelt. Die Vorbehandlung des Untergrundes mit Kleber fiel ebenfalls komplett weg. Es dauerte auch nicht lange, bis die Servietten auf Glas und Porzellan, Stoff und Metall aufgeklebt wurde.
Lange Zeit verstand ich die vielen Fragen in meinem Forum nicht, bei denen es darum ging, dass die Servietten immer faltig wurden oder rissen, bei wie viel Grad die mit Servietten verzierten Stoffe gewaschen werden dürften oder ob die so behandelten Gläser spülbar wären. Lasen die Leute die Anleitungen nicht? Eigentlich steht doch eine Grundanleitung auf den Flaschen – sollte man wenigstens annehmen.
Obwohl es mittlerweile von fast jeder „Hersteller-Firma“ einen eigenen Serviettenkleber und spezielle Serviettentechnik-Farben gibt, habe ich im Laufe der Jahre nur ein einziges Mal den Kleber gewechselt. Bei einem der Kleber befand sich eine Anleitung auf der Flasche, die Anwendungsmöglichkeiten des anderen Klebers hatte ich auf einer Messe gesehen. Es gab für mich also soweit keine offenen Fragen.
Um so überraschender waren für mich nun die Ergebnisse des Klebertests. Die Fragen in meinem Forum sind mir nun durchaus verständlich. Fehlende, nicht zum Produkt passende oder unverständliche Anleitungen sind wohl an der Tagesordnung.
Auf der Creativa 2002 „erbeutete“ ich ca. 50 Kleber für den Test. Zum Teil wurden sie für die Serviettentechnik empfohlen, zum Teil aber auch für andere Techniken, so dass die Serviettentechnik hier mit keinem Wort erwähnt wurde.
Negative Eindrücke zu den einzelnen Klebern gab es zum Teil schon vor dem eigentlichen Test. Grund dafür waren die fehlenden oder falschen Anleitungen und Angaben auf den Flaschen. Ein Kleber musste extra angerührt werden – die Anleitung gab es auf einem gesonderten Blatt, ein genaues Mischungsverhältnis war nicht angegeben. Eine Flasche bzw. Becher (aus Kunststoff) fiel mir direkt am ersten Tag vom Tisch und zerbrach. Der Verschluss einer anderen Flasche ließ sich nach dem ersten Wiederverschließen zuerst nicht mehr öffnen, später zerbrach er.
Aber auch die weiteren Testergebnisse waren zum Teil erschreckend. Bei Klebern, die für Kerzen empfohlen wurden, brannte zwar anschließend der Kleber nicht – allerdings gingen sämtliche Servietten in Flammen auf. Kleber für Stoffe überlebten die erste Wäsche nicht und Reste von Klebern für Glas ließen sich auch im „ungebackenen“ Zustand nicht mehr ohne Hilfe von Chemikalien entfernen.
Die Kleber, die eigentlich gar nicht für die Serviettentechnik vorgesehen waren, haben schon durch die fehlende Anleitung eine schlechtere Bewertung als die „Serviettenkleber“. Dies sollte man unbedingt berücksichtigen, denn es bedeutet, dass diese Kleber zwar nicht für Anfänger, die eine Anleitung benötigen, geeignet sind, qualitativ aber nicht schlechter sind, als die anderen Kleber.
Insgesamt ist zu sagen, dass ein Kleber, der bei diesem Test schlecht abgeschnitten hat, nicht zwangsläufig von minderer Qualität ist. Das Problem bei diesen Klebern liegt darin, dass sie meist für Decoupage mit dickerem Papier oder Stoff gedacht sind und nicht für dünne Servietten. Bei richtiger Anwendung sind sie zu einem großen Teil aber ebenso gut und wesentlich vielseitiger als die reinen „Serviettenkleber“. Es handelt sich hier also um ein reines Anwendungsproblem und fehlender Information für den Bastler.
Einige der Firmen, deren Serviettenkleber getestet wurde, gibt es leider nicht mehr. Dazu gehören zum Beispiel die Firmen Artys und Kinsy. Bei anderen Firmen gibt es keinen Serviettenkleber mehr - zum Beispiel bei Hobbyring. Ich habe die Ergebnisse dieser Kleber aber trotzdem nicht gelöscht - wer weiß - vielleicht erwachen sie ja doch noch einmal zu neuem Leben...
