Liebe

Auf Willkür ist Liebe gegründet,
Wär’s anders, dann wäre sie fad;
Es wäre nicht schön, übte einer,
Der liebt, Argumente und Rat.
Denn wenig Verliebtheit, die rein ist

Lass tief in dir mich lesen,
Verhehl' auch dies mir nicht,
Was für ein Zauberwesen
Aus deiner Stimme spricht?
So viele Worte dringen
An's Ohr uns ohne Plan,

Die Liebe ist der Sonnenschein,
die allbelebende Flamme,
doch Treue muß die Wurzel sein
an unsrem Lebensstamme!

Die Rose welkt wohl über Nacht,
vergänglich ist der Erde Pracht,
nur was du liebst, o Herz, ist dein,
das soll dein Trost im Sterben sein.

Das ist die wahre Liebe, die immer und immer sich gleich bleibt,
ob man ihr alles gewährt, ob man ihr alles versagt.

Oft wird auch von geliebten Händen
das Herz zu Tode wund gestreift.
Die Liebesblume muß dann enden,
wenn kalter Hauch darüber reift.

Wir sollen die Liebe, welche wir den Toten mit ins Grab geben, nicht den Lebenden entziehen.

In jedem Aug', in dem die Liebe glüht,
ist auch die Blume Schönheit aufgeblüht.

Alles, was wir wirklich lieben, ist unersetzlich, und alles, wofür Ersatz nur denkbar ist, haben wir niemals wahrhaftig geliebt.

Und doch, welch Glück, geliebt zu werden,
und lieben, Götter, welch ein Glück!
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