Kartensprüche von Friedrich Julius Hammer

Leicht welkt die Blum', eh's Abend,
weil achtlos du verwischt
den Tropfen Tau, der labend
am Morgen sie erfrischt.

Dem Blicke des zufried'nen Sinns alleine
zeigt sich die Welt in immer jungem Scheine
und nie geht seine Sonne niederwärts.

Willst Gutes du und Schönes schaffen,
das lebensvoll das Leben mehre,
mußt du dich ernst zusammenraffen
und darfst nicht scheu'n der Arbeit Schwere;
da hilft kein Schwärmen bloß und Hoffen,
kein Traum von künftiger Entfaltung;
nein, ringen mußt du mit den Stoffen
und stark sie zwingen zur Gestaltung.

Stör nicht den Traum der Kinder
Wenn eine Lust sie herzt;
Ihr Weh schmerzt sie nicht minder,
Als dich das deine schmerzt!
Es trägt wohl mancher Alte,
Des Herz längst nicht mehr flammt,
Im Antlitz eine Falte,
Die aus der Kindheit stammt.