Kartensprüche von Schopenhauer

Wahre, echte Freundschaft setzt eine starke, rein objektive und völlig uninteressierte Teilnahme am Wohl und Wehe des anderen voraus, und diese wieder ein wirliches sich mit dem Freunde identifizieren.

Ein wichtiger Punkt der Lebensweisheit besteht in dem richtigen Verhältnis, in welchem wir unsere Aufmerksamkeit teils der Gegenwart, teils der Zukunft widmen, damit nicht die eine uns die andere verderbe. Viele leben zu sehr in der Gegenwart: die Leichtsinnigen; andere zu sehr in der Zukunft: die Ängstlichen und Besorglichen. Selten wird einer genau das rechte Maß halten.

Die Freunde nennen sich aufrichtig, die Feinde sind es - daher man ihren Tadel zur Selbsterkenntnis benützen soll als bittere Arznei.

Die höchsten, die mannigfaltigsten und die anhaltendsten Genüsse sind die geistigen, wie sehr auch wir in der Jugend uns darüber täuschen mögen.

Gegen das Ende des Lebens geht es wie gegen das Ende eines Maskenballes, wenn die Masken abgenommen werden. Man sieht dann, wer diejenigen, mit denen man während eines Lebenlaufes in Berührung gekommen ist, eigentlich gewesen sind.

Einer sei jung, schön, reich und geehrt, so fragt sich, wenn man sein Glück beurteilen will, ob er dabei heiter sei; ist er hingegen heiter, so ist es einerlei, ob er jung oder alt, gerade oder buckelig, arm oder reich sei, er ist glücklich.

Im Alter versteht man besser, die Unglücksfälle zu verhüten, in der Jugend sie zu ertragen.
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