DIY - Siegellack selber machen



Früher brauchte man den Siegellack, um Briefe zu versiegeln. Heute wird dies nur noch zur Zier gemacht - zumindest meistens. Auf jeden Fall erleben Siegel und Siegellack einen ungeahnten Aufschwung. Da bietet es sich an, einmal in alten Rezepten zu stöbern und den Siegellack eventuell selbst herzustellen.

Eines aber schon einmal vorab. Wenn du Siegellack selbst machen möchtest, benötigst du schon einiges an Material - und zwar Material, dass es nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt. Dies bezieht sich vor allen Dingen auf die Pigmente.

In der Zeit um 1900, aus der die folgenden Rezepte stammen, hieß es, dass man Siegellack nur in großen Mengen herstellen kann. Heute, wo man an jeder Ecke für wenig Geld eine Briefwaage und ein Thermometer kaufen kann, ist dies nicht mehr ganz so kompliziert. Unterschiede wurden damals wie heute schon bei der Verwendung der Siegellacke gemacht. Ein Siegellack, mit dem eine Flasche verschlossen wird, muss erhitzt natürlich eine völlig andere Konsistenz haben, als ein Siegellack, mit dem man einen Brief verschließt und das Siegel hineindrückt. Sie muss beim Erhitzen zwar schmelzen, darf dabei aber nicht so dünnflüssig werden, dass sie tropft. Diese Eigenschaft erlangt die Harzmischung nur durch mehr oder minder großen Zusatz von Schellack.

Eine weitere Bedingung für das Gelingen eines guten Siegellackes ist, dass die Harze nur so weit erhitzt werden, wie es zur Verflüssigung nötig ist. Man nimmt die Schmelzung daher am besten in nicht zu großen Portionen in einem Sandbade vor.
Die Farbpulver müssen sehr fein gerieben und gut vermischt werden, um dann in kleinen Mengen in die geschmolzene Harzmasse gerührt zu werden.

Die Bestandteile
Für die Herstellung kann man verschiedene Harze miteinander verschmelzen (Schellack, Xantorrhoeharz, Mastix, Terpentin, Kolophonium (Terpentin und Kolophonium bilden den Hauptbestandteil der billigen Siegel- und Flaschenlacke), Tolubalsam, Benzoe und  Perubalsam.
Als färbende Substanzen werden Ruß und Pigmente wie Mineralschwarz, Frankfurterschwarz, Rebenschwarz, Bleiweiß, Zinkweiß, Chromgelb, Chromgrün, Ultramarin, Ocker, Zinnober, Minium, Engelrot, Umbra, Karmin, Karminlack, Krapplack und  Pariserblau dazugeben. Bronzefarben, Brokat und Glimmer sorgen für besondere Effekte. 
Als Füllmaterialien dienen Kreide, Gips, Infusorienerde, kohlensaure Magnesia oder Schwerspat. Dabei handelt es sich eigentlich um Zusätze, durch die früher das Gewicht oder Volumen vergrößert wurde - kurz gesagt, die Siegellackmasse wurde damit gestreckt. 

Herstellung der Stangen
Die Siegellackmasse wird noch heiß in Formen aus Metall, Holz oder Glas gegossen. Nach dem Erstarren wird die Oberfläche durch Wärme erweicht und bekommt so einen schönen Glanz.
Wer keine Formen für die Siegellackstangen hat - und das dürften die wenigsten von uns haben - rollt das etwas abgekühlte Siegellack auf einer Marmor- oder Glasplatte zu Stangen. 
Sollen die Lackstangen einen besonderen Glanz bekommen, "hält man  sie so lange in heiße Luft, bis die Oberfläche ein wenig schmilzt und hierdurch einen erhöhten Glanz bekommt." Ich denke, heutzutage würde man dafür einen Fön oder, falls die Wärme nicht ausreicht, einen Heißluftgerät verwenden. Im halbweichen Zustand können die Stangen noch bestempelt oder mit anderweitigen Verzierungen versehen werden.

Die verschiedenen Siegellackarten
Brieflack ist eine zum Versiegeln von Briefen bestimmte Siegellacksorte.
Aventurin- und Transparentaventurinsiegellacke enthalten Farben mit Metallflittern (Brokat).
Flüssiger Siegellack ist in Alkohol gelöster Siegellack. Dochtsiegellack enthält im Innern einen leicht brennbaren Docht und kann dadurch wie eine Kerze abgebrannt werden. Man benötigt also keine "externe" Wärmequelle, um den Siegellack zu schmelzen.

Grundanleitung
Zuerst wird der Schellack sehr vorsichtig geschmolzen, dann wird der dicke Terpentin hineingerührt. Wenn die Mischung gut durchgerührt ist, kommen die anderen Harze dazu. Ganz zum Schluss kommen die etwas erwärmten Farben und - falls gewünscht - noch ein Duft in Form von duftenden Harzen oder ätherischen Ölen hinzu.
Dann wird die Masse in Formen gegossen oder man lässt sie etwas abkühlen und rollt sie zu Stangen.

Roter Siegellack I
35 g Schellack
24 g Venezianisches Terpentin
26 g Zinnober 
6 g Magnesia 
9 g Terpentinöl

Roter Siegellack II
24 g Schellack
16 g Kolophonium 
28 g Venezianisches Terpentin
18 g Zinnober
6 g Kreide
6 g Gips 
2 g Terpentinöl

Roter Siegellack III
16 g Schellack
32 g Kolophonium
22,5 g Venetianisches Terpentin
12,5 g Zinnoberersatz
12,5 g Kreide
2 g Gips
2,5 g Terpentinöl



Packlack
7,5 g Schellack
34 g Kolophonium 
24 g Venezianisches Terpentin
24 g Englischrot
8 g Kreide
2,5 Terpentinöl

Gelber Siegellack
47,5 g Schellack
16 g Kolophonium 
24 g Venezianisches Terpentin
8 g Neugelb
2 g Talkum 
2,5 g Terpentinöl 

Für andere Farben verwendet man das Rezept für den gelben Siegellack und tauscht das Neugelb durch andere Pigmente aus.

Grüner Siegellack
Zusatz 8 g Zinkgrün oder 10 g Permanentgrün.

Blauer Siegellack
Zusatz 8 g Neublau und eventuell Permanentweiß.

Schwarzer Siegellack
Zusatz von 8 g feinstem Kienruß oder 5 g Patentschwarz.

Gold-Siegellack
64 g Schellack 
32 g Venezianisches Terpentin
4 g grobes Bronzepulver
10 Blatt Schlagmetall in Gold

Wer die Siegellacke gerne mit Duft haben möchte, mischt etwas Perubalsam, Tolubalsam oder Benzoeharz dazu.

Bezugsquellen:
Schellack
Venezianisches Terpentin
Zinnober
Magnesia
Terpentinöl
Kolophonium
Kreide
Gips
Englischrot
Perubalsam
Tolubalsam
Benzoeharz 
Weitere Pigmentpulver findest du bei Amazon oder  Kremer Pigmente.



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