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Der Huflattich

18. März 2009 - 16:14 -- Gast (nicht überprüft)

Wenn Schulkinder ein Aufsätzchen über Frühlingsblumen schreiben sollen, so muss ganz gewiss vor allem das Veilchen herhalten, und die Dichter machen es in ihren Liedern ebenso. Des armen Huflattich gedenkt keiner.


Viele kennen ihn nicht einmal oder nur unter ganz verächtlichen Bezeichnungen, und doch ist auch er einer von den ersten Verkündern des Lenzes, und wie mich dünkt, braucht er sich seines Aussehens nicht zu schämen. An Lehmgruben, auf Ziegelfeldern, an Ufern und auf Ackerland sprießen im Februar und März seine handhohen, unverästelten Stengel in großer Anzahl hervor, und jeder hebt eine goldgelbe, der Kettenblume ähnelnde Blüte dem blauen Himmel entgegen, die um so holder und freundlicher im Sonnenstrahl leuchtet, je fahler und dürrer es noch in der Umgebung aussieht. Fehlen doch dem Huflattich selber noch die grundständigen Blätter. Die am Blütenstengel stehenden sind klein und fast schuppenförmig; sie fallen darum nicht sehr in die Augen, zumal sie nicht grün, sondern rötlich braun sind und sich dem Stengel anschmiegen. Die hübschen Blumen sind nach dem botanischen Kunstausdrucke Korbblüten und bestehen aus vielen Blütchen, die von einem einreihigen Kreise langer, gründer Hüllblätter zylinderförmig umschlossen werden. Die Randblütchen, die sich ringsum strahlenartig entfalten, stehen in mehreren Reihen und enden oben in schmale Zungen. Sie enthalten nur Stempel. Die in der Mitte stehenden Scheibenblütchen an Zahl bedeutend geringer, sind einem Trichterchen ähnlich, dessen weiter Teil fünffach ausgezackt ist. Es sind Zwitterblüten, d.h. sie haben Staubgefäße und Stempel. Die Staubgefäße sind nicht frei, sondern mit den Beutelchen zu einer Röhre verwachsen. Nur die Randblüten bringen Früchte hervor, die einen Kranz von einfachen Haaren tragen; diese machen die Samenkörnchen wie beim Löwenzahnl zum leichten Spiel des Windes. In der Zeit zwischen dem Aufbrechen der Knospen und der Bildung des wolligen Samenköpfchens wächst der Stengel ein gut Stück weiter, und er braucht dem Winde nicht erst zu sagen: Rüttel' mich und schüttel' mich! Bei jedem scharfen Hauche wird er gründlich gefasst und seines greisenhaften Kopfschmuckes beraubt. Bald wiegt sich nur noch der kahle Scheitel in den Lüften, und die Samenkörnlein sind überall hin verstreut, sei es, um an ungünstiger Stelle zugrunde zu gehen, sei es, um an verstecktem Plätzchen der Auferstehung entgegenzuschlummern. Die Bestäubung der Blüten kommt durch Insekten zustande. Selbstbestäubung ist so gut wie ausgeschlossen; denn die Stempel der Randblüten sind schon bereit, den Blütenstaub aufzunehmen, ehe dieser in den inneren Blütchen genügend ausgereift ist. Sollen nun die Stempelblüten nicht ohne Frucht anzusetzen absterben, so muss der Blütenstaub aus einer älteren Blume genommen werden, deren Scheibenblüten weiter vorgeschritten sind. Am Abend schließen sich die Blütenkörbchen und neigen sich wie schlummertrunken. Tritt bei Tage Regenwetter ein, so schließen sie sich auch dann. Hierdurch wird der Blütenstaub gegen Nässe gesschützt.

Wie kommt es, dass die Blüten des Huflattichs sich so zeitig im Frühling bilden können, ehe noch die Laubblätter erschienen sind? Das ist der Pflanze deshalb möglich, weil sie im vorigen Jahre Nährstoffe aufgespeichert hat in einem unterirdischen Stengel. Der Landmann weiß von diesem mit vielen Verzweigungen versehenen Gebilde ein Liedlein zu singen. Riemen nennt er die Ausläufer, und wenn wir uns in einem fast armlangen Riemen hier und da einen tüchtigen Knoten denken, so haben wir tatsächlich ein treffendes Bild für die dem Ackersmann verhassten Aussauger des Bodens, die sich nach allen Richtungen breit machen. Als die Pflanze noch ein Samenkörnchen war, bildete sie sich im feuchten Erdreich zu einem Keimpflänzchen aus, dass nach unten hin sein Würzelchen streckte und seine Keimblättchen über den Boden erhob. Allmählich traten andere Blättchen hinzu, und bereits nach sieben bis acht Wochen gingen aus den Winkeln der unteren Blätter jene Auswüchse hervor, die wir Ausläufer nennen. Von ihnen aus wächst die Pflanze weiter, und das ursprüngliche Keimpflänzchen stirbt ab, wenn nicht schon im ersten, so doch sicher im zweiten Herbste. Die Ausläufer, die der erste Sommer ins Leben rief, lassen im folgenden Frühling Blätter hervorsprossen. Diese sorgen für die nötigen Baustoffe, aus denen ein Jahr darauf die goldenen Lenzesverkünder so frühzeitig gebildet werden. Nun setzt der Ausläufer neue Sprossen an, und während diese heranwachsen und die weitere Entwicklung der Pflanze übernehmen, stirbt er selbst ab. So hat jeder Ausläufer eine Lebensdauer von drei Jahren. Mögen auch die Samenkörnchen zu Tausenden verloren gehen, mag der zur Befruchtung der Blüten nötige Insektenbesuch ausbleiben, der Huflattich braucht darum noch nicht um seine Erhaltung besorgt zu sein; seine weitkriechenden Wurzelstöcke sorgen im Dunkel der Erde für die Vermehrung durch Sprossung (vegetative Vermehrung), und mit einer solchen Zähigkeit werden sie ihrer Aufgabe gerecht, dass sie dem pflügenden Landmann oft die größten Sorgen bereiten. An Dämmen und Flussufern schützt übrigens das Wurzelgeflecht gegen die zerstörende Wirkung des Wassers, indem es das Erdreich zusammenhält.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die grundständigen, langgestielten Blätter, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Sohlenfläche eines Pferdehufs den Namen veranlasst haben. Weil die Blüten vor ihnen erscheinen, pflegten die Römer zu sagen, beim Huflattich komme der Sohn vor dem Vater, und nannten ihn darum auch filius ante patrem. An der oberen Seite sind die Blätter lebhaft grün; ihre Unterfläche schimmert wie Silber. Das rührt von tausend und tausend weißen Härchen her, die dicht nebeneinander stehen, so dass die untere Blattspreite wie mit Filz überzogen erscheint. Die Härchen bewirken, dass die Feuchtigkeit des Taues nicht bis auf die grüne Blattsubstanz gelangen kann. Durch Untertauchen eines Blattes im Wasser überzeugt man sich leicht, wie verschieden die Benutzung auf beiden Seiten ausfällt. Auf der Unterseite haben die Naturforscher mit dem Mikroskop unzählige Öffnungen entdeckt, kleine Spalten, die bald mehr, bald weniger offen stehen. Durch diese atmet die Pflanze. Würden sie durch eine Feuchtigkeitsschicht ganz bedeckt, so wäre der Luftwechsel behindert; darum sorgt die Filzdecke für Lufträume, die vom Wasser nicht durchdrungen werden. Zugleich sind die Härchen ein Schutzmittel gegen zu starke Verdunstung; nasse Gegenstände trocknen ja viel langsamer aus, wenn sie eingehüllt oder bedeckt werden, was sich ja schon im frisch aufgewaschenen Zimmerboden mit Leichtigkeit beobachten läßt.

Junge Huflattichblätter haben eine purpurrote Färbung. Ganz seltsam mutet es uns anfänglich an, was die Gelehrten über diese Erscheinung, die sich auch bei anderen Pflanzen, am stärksten wohl der Blutbuche, findet, herausgeforscht haben. Man höre und staune! Die rote Farbe vertritt in den Blättern die Stelle eines - Ofens! Es ist eine Heizvorrichtung, die den Blättern hinreichend Wärme liefert, dass sie in ihrer zarten Jugend nicht von dem oft noch winterlich rauhen Frühlingslüftchen getötet werden.

Huflattichblätter (Folia farfarae) sind im Teeaufguss ein beliebtes Hausmittel gegen Husten, Verschleimung im Halse und hartnäckige Katarrhe. Man rechnet 20-30 Gramm auf 1 Liter Wasser, und zwar nimmt man gewöhnlich halb Blätter und halb Blüten. Morgens nüchtern und abends vor dem Schlafengehen trinkt man eine Tasse. Die Blätter werden von Mai bis Juni, also in ihrer vollen Ausbildung, gesammtelt und getrocknet, dann zerschnitten und in feinem Siebe von dem filzigen Staube befreit. Die Blütenköpfe trocknet man zuerst an schattiger Stelle in der Luft; hierauf setzt man sie kurze Zeit gelinder Ofenwärme aus. Der lateinische Name bezeichnet den Huflattich als Hustenmittel; denn Tussilágo kommt von Tussis = Husten. Huflattichblätter sind auch ein Bestandteil des Brusttees, eines Teegemisches, das in der Apotheke den Namen Species pectoralis trägt. Es besteht aus acht Teilen Eibischwurzel, drei Teilen Süßholz, einem Teil Veilchenwurzel, vier Teilen Huflattichblätter, zwei Teilen Wollblumen (Königskerze) und zwei Teilen zerquetschtem Anis.

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