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Der Wegerich

13. März 2009 - 5:59 -- Gast (nicht überprüft)

Diese Pflanze ist geradezu nach dem Wege genannt, ja, Wegerich bedeutet soviel als "Herrscher am Wege". Passender konnte der Name nicht gewählt sein. Ob wir die Landstraße entlang gehen oder über den einsamen Feldweg, an der Mauer vorbei oder zwischen den Hecken hindurch, überall begegnet uns auf Schritt und Tritt die Gattung Plantago, vornehmlich die Art mit den breiten Blättern, die dem Lateiner die Spur der Fußsohlen abzubilden schien, weshalb er sie eben Plantago = Sohlenkraut nannte. Selbst zwischen den Pflastersteinen und den Eisenbahnschienen sprießt sie hervor, wenn die Schaufel des Wärters nicht immer hinter ihr her ist.

Mittlerer Wegerich
Mittlerer Wegerich

In Amerika war der große Wegerich früher unbekannt; aber in dem Maße als die Einwanderer nach Westen vordrangen, verbreitete sich auch der Wegerich, und die Indianer nannten das Kraut in ihrer bilderreichen Sprache sehr bezeichnend "Fußtritt der Weißen".

Die große Verbreitungsfähigkeit des Wegerichs erklärt sich aus der Beschaffenheit seiner Samenkörner, die vom Volke scherzhaft Flohsamen genannt werden. Diese kleinen, glänzend schwarzen Körnchen haken sich nämlich mittels feiner Anhängsel klettenähnlich sehr leicht fest und können durch Kleider, Säcke und dergl. weit verschleppt werden. Kanarienvögel fressen sie gern; auch Finken und andere Vögel sieht man oft an den Wegerichähren picken.

Unter den Wegericharten sind namentlich drei fast allerorts vertreten, die sich zunächst durch die Form der Blätter augenfällig unterscheiden.
Der große Wegerich (Plantago major) hat breite, vollkommen eiförmige Blätter; bei dem Spitzwegerich (Plantago lanceolata) sind sie lang und schmal, lanzettförmig; der mittlere Wegerich (Plantago media) hält in der Blattgröße die Mitte zwischen den beiden andern.
Der große Wegerich hat ansehnlich lange Blattstiele. Wegen der sieben Hauptnerven, die sich durch die Blattspreite der Länge nach hinziehen und auf der Unterseite besonders stark bemerklich sind, hieß diese Art bei den Römern Septemnerva = Siebennerv. Die Nerven, an denen man wie an der Sehne eines abgehauenen Hühnerfußes ziehen und zupfen kann, so dass das Blatt sich krümmt und zusammenzieht, enthalten Saftkanäle.
Der mittlere Wegerich hat kurze, undeutliche Stiele, eigentlich nichts weiter als die verschmälerte Blattfläche. Nerven sind drei bis sieben vorhanden.
Auch die Blätter des Spitzwegerichs verschmälern sich fast unmerklich in den Stiel; sie haben drei bis fünf Nerven.
Bei allen drei Arten sind die Blätter zu Rosetten geordnet, d.h. sie breiten sich sternförmig auf dem Boden aus, was jedoch nur dann deutlich hervortritt, wenn genügend Raum zur freien Entfaltung da ist. Eingeengt zwischen anderen Gewächsen, die ihnen Licht und Luft streitig machen, z.B. zwischen Wiesengräsern, richten sich die Blätter mehr oder weniger auf, um ihren Lichthunger nach Möglichkeit zu befriedigen.
Der Wegerich bietet uns auch ein Beispiel für die sogenannte zentripetale, d.h. nach dem Mittelpunkt zu gerichtete Ableitung des Regenwassers. Beträufelt man eine Blattrosette mit Wasser, so bemerkt man, wie die Tröpfchen sich in kleinen Rinnen an der Blattoberfläche sammeln, derselben entlang laufen und so eine beträchtliche Menge Flüssigkeit zu der Wurzel hinführen. Hieraus kann man abnehmen, von welchem Vorteil diese Einrichtung bei Regen sein muss, was doppelt wichtig ist, da der Wegerich bei seinen vielfach sehr trockenen Standorten alle Ursache hat, mit dem Wasser haushälterisch umzugehen. Aus demselben Grunde sendet er auch seine Wurzeln tief in die Erde, damit sie ´selbst bei oberflächlicher Trockenheit imstande sind, aus dem in der Tiefe immer etwas feuchten Erdreich ein wenig Lebenssaft herbeizuziehen. Wo es ihm gar zu sehr an Feuchtigkeit mangelt, erzeugt er nur kleine Blätter; kann er aber im Überfluss schwelgen, so werden die Blätter ungewöhnlich groß.
Eine Pfahlwurzel, d.h. eine Wurzel, die wie ein Pfahl in ziemlicher Stärke senkrecht nach unten geht, haben nur der mittlere und der Spitzwegerich. Während der Wegerich mit seiner Blattrosette ganz oder teilweise auf dem Boden ruht, erhebt sich ein langer Stiel aus einem Blattwinkel nach oben, der an seiner Spitze die zu einer Ähre bereinigten unscheinbaren Blüten trägt. Einen solchen blattlosen Blütenstiel nennt man Schaft. Beim großen Wegerich sind die Ähren am längsten; man hat sie nicht ganz unpassend mit Rattenschwänzen verglichen. viel kürzer sind die Ähren beim Spitzwegerich, fast eirunden Köpfchen vergleichbar. Wie auch mit seinen Blättern, so steht auch bezüglich der Ährenlänge der mitterle Wegerich in der Mitte.
An den einzelnen Blüten unterscheidet man schon mit schwacher Lupe ganz deutlich einen vierteiligen Kelch, eine vierzipflige, röhrige Blumenkrone, vier Staubblätter und einen Stempel. Beim mittleren Wegerich sind die Blüten wohlriechend und weiß, die Staubgefäße fleischfarben; den beiden anderen Arten fehlt der Duft. Der Spitzwegerich hat bräunlilch-weiße Blümchen und lang heraushängende Staubfäden; beim großen schimmert die Blumenkrone mehr rötlich. Wenn man beim Spazierengehen mit dem Fuße an blühende Wegerichstengel stößt, so sieht man, wie sie in reichlicher Menge Blütenstaub abgeben. Im großen besorgt dieses Ausstreuen der Wind, dessen Bemühungen die Ähren durch ihre langen Stiele besonders entgegenkommen.
Die Kinder lieben es, dem Bienchen zuzusingen: "Such' in Blumen, such' in Blümchen dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen!" Auch zwischen dem Wegerich summt und nascht das Bienchen gern herum, doch auf das Tröpfchen muss es verzichten; denn die Blüten haben keinen Honig zu verzapfen. Dafür kann es aber um so mehr Krümchen heimholen, nämlich den Blütenstaub, der den Staubbeuteln entquillt, wenn sie an ihrer Oberseite aufspringen. Wegen des feinen Duftes stellt sich auf Plantago media Bienenbesuch häufiger ein. So mögen neben dem Wind auch diese Insekten viel zur Befruchtung des Wegerichs beitragen. Die Hauptaufgabe wird wohl dem Winde zufallen, worauf außer den langen, schwanken Schäften der trockene, sehr leichte Blütenstaub berechnet ist, sowie der Umstand, dass die Narbe weit über die Staubfäden hervorragt. Wegen ihrer Gestalt wird sie "Zylinderputzernarbe" genannt.
Die Samenkörnchen stecken in einer kleinen Kapsel. Das Aussäen muss der Wind wieder besorgen, indem er an den Stengeln schüttelt. Freilich kann er nur dann Erfolg haben, nachdem sich die Kapseln geöffnet. Das geschieht bei der Reife von selbst, indem der obere Teil wie ein Hütchen sich loslöst. Unter dem Einflusse der Feuchtigkeit quillt ein Schleim aus dem Samen hervor, der ihn klebrig macht. Für die Befestigung im Keimbett ist das sehr zweckmäßig. Auch seinen Blütenstaub weiß der Wegerich zu schützen, indem er bei feuchter Luft, bei Tau und Regen die bereits aufgesprungenen Staubbeutel wieder schließt.

Spitzwegerich
Spitzwegerich

Als Heilpflanze wird hauptsächlich der Spitzwegerich gerühmt. Man preist seine vorzügliche Wirkung bei Erkrankung der Atmungswerkzeuge, bei Husten und Verschleimung im Halse. Man kann sich auf folgende Weise das Mittel selber bereiten:

Etwas angetrocknete Spitzwegerichblätter zerschneide man und übergieße je sechs Teile derselben mit fünf Teilen starkem Weingeist. Nachdem dieser eingezogen, gieße man 45 Teile siedendes Wasser nach. Das Ganze läßt man 24 Stunden unter öfterem gelinden Umrühren zugedeckt stehen; dann gießt man die Flüssigkeit durch ein leinenes Tuch unter gelinder Druckanwendung von den Blättern ab. In diesem abgespressten Safte löst man dann gestoßenen weißen ÄKandiszucker unter Erwärmen auf und läßt das Ganze einmal schwach aufwallen. Auf 40 Teile der durchgegossenen Flüssigkeit nehme man 60 Teile Zucker. Der fertige Saft wird in kleineren Flaschen wohlverschlossen im Kühlen und Dunkeln aufbewahrt. Morgens und abends nimmt man einen Teelöffel davon.

Bergwegerich

Eine einfachere Anwendung gegen die genannten Übel ist Spitzwegerichtee als Aufguss oder als Abkochung, wobei man 30-60 Gramm getrocknete Blätter auf 1 Liter Wasser nimmt.

Die Blätter können von April an gesammelt werden. Die Samen des großen Wegerichs wirken abgekocht gegen Durchfall.

Wegerich

Die beiden Abbildungen "Berg-Wegerich" und "Wegerich" stammen aus anderen Büchern und sind nur zum besseren Verständnis hinzugefügt worden.

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