Bandweben mit Plättchen

3. Dezember 2014 - 4:34 -- Gast (nicht überprüft)

Das Weben mit Plättchen ist ebenfalls eine sehr alte und weit verbreitete Webkunst. Es bietet die Möglichkeit zu vielseitigeren Musterungen, ist aber auch in der Handhabung bedeutend schwieriger. Als Vorrichtung dienen kleine viereckige oder sechseckige Plättchen aus Holz oder Pappe mit Löchern in allen Ecken.



  Abb. 46. 4-Loch und 6-Loch-Plättchen. eingezogene Fäden.   Wir wollen zunächst nur ein Plättchen beziehen, um uns die Handhabung daran klar zu machen. Die vier eingezogenen Kettfäden werden an beiden Seiten zusammengeknotet. Wenn man die Kettfäden spannt, legt sich das Plättchen in Fadenrichtung. So liegt es nachher auch beim Weben. Durch den Kettaufzug bekommt es zwei verschieden aussehende Seiten. Auf der einen Seite laufen die Kettfäden von links nach rechts über das Plättchen, auf der anderen Seite von rechts nach links. Das ist für das spätere Zusammenlegen der Plättchen wichtig. Sie werden paarweise so aufeinandergelegt, dass immer die gleichen Seiten aufeinanderliegen.   Jetzt spannen wir wieder die Kettfäden und drehen das Plättchen. Das Plättchen wird mit 4 m 1/4 oder 6 1/6 Drehungen, je nach dem, ob es vier oder sechs Ecken und Löcher hat, einmal um sich selbst gedreht. Bei jeder Teildrehung bilden zwei andere Fadenpaare das Fach. Die Farbenauswahl der Fäden und die Art der Zusammenstellung ist also wichtig für die Musterbildung.   Die Kettfäden werden durch das Drehen zu einer Schnur zusammengedreht. Viele Einzelschnüre werden durch den Schussfaden, der auch bei dieser Weberei unsichtbar ist, zu einem Band vereinigt.   Aber noch etwas ist wichtig, beachtet zu werden. Durch das Drehen werden die Kettfäden an beiden Enden zu einer Schnur zusammengedreht. Das würde bald zu einer Stockung führen, wenn wir die Plättchen immer nur in derselben Richtung weiterdrehen würden. Darum müssen wir in einer bestimmten Reihenfolge, also z. B. nach zwei, vier oder sechs ganzen Umdrehungen, dieselbe Anzahl Umdrehungen wieder zurückdrehen. Das ist auch wichtig für das Muster. Das Muster erscheint nun noch einmal umgekehrt oder, wie man es mit dem Fachausdruck nennt, in der "Kehre" wieder.   Damit haben wir uns die Grundvorgänge klargemacht und können nun selbst durch Ausprobieren allerlei Muster zusammenstellen. Abbildung 48 zeigt zwei mit 6-Loch-Plättchen gewebte Bänder.



  Abb. 48. Mit 6-Loch-Plättchen gewebte Bänder   Die Länge der Kettfäden schwindet beim Plättchenweben durch die Drehung sehr stark. Darum muss zu der gewünschten Länge des Bandes noch sehr viel zugeben, wenn man die Kettfäden zuschneidet.   Da sich durch das dauernde Drehen das Kettgarn leicht aufraut und verfilzt, verwenden wir hierfür Garn oder festgedrehte, glatte Wolle.   Die Stärke und Breite des Bandes hängt von der Stärke des verwandten Materials und von der Anzahl der Plättchen ab.   Wenn wir die Plättchen in der richtigen Reihenfolge aufeinandergelegt haben, halten wir sie durch Zusammenbinden mit einem Band in dieser Lage fest. Die Kettfadenenden werden auf beiden Seiten zusammengenommen und in einen Knoten geschlungen. Zwischen zwei Scherklammern wird die Arbeit aufgespannt.



Abb. 47. Weben mit Plättchen.   Das Band, das die Plättchen zusammenhielt, wird gelöst. Der Schussfaden wird an dem oberen und unteren Randfaden der Kette festgeknotet und mit dem Schiffchen durch das Fach hindurchgegeben und angeschoben. Beide Hände umfassen nun seitlich die Plättchen, ohne sie jedoch zu stark zusammenzudrücken, und dreht die erste Vierteldrehung, gegebenenfalls Sechsteldrehung. Der Schussfaden wird wieder durchgegeben und angeschlagen, und die nächste Drehung erfolgt. Nach einer bestimmten Anzahl von Drehungen in gleicher Richtung wird dann dieselbe Anzahl wieder zurückgedreht.

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