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Gespeichert von Bastelfrau am 28 Oktober 2019

Dem Rundweben verwandt ist die Strahlenweberei. Sie ist nur dadurch etwas schwieriger, dass man zu jeder Arbeit einen Schnitt schneiden, eine Form auf Pappe aufzeichnen und einen geeigneten Kettaufzug ausprobieren muss. Es gibt aber unzählige Möglichkeiten, sie anzuwenden. Da kann man z. B. Kragen und Manschetten zu einem selbstgenähten Wollkleid weben, Kaffee-, Tee- und kleine Eierwärmer, Taschen in verschiedenen formen, Westen und Mützen, Pantoffeln usw. arbeiten.

Abb. 10. Tasche in Strahlenweberei

Die Zeichnung (Abb. 11) stellt das Muster den Kettaufzug für eine Tasche in Strahlenwerbei dar.

Abb. 11. Muster und Kettaufzug für eine Tasche in Spiralweberei.

Die Form wird beidseitig sich deckend mit einem Zirkel auf eine Pappe aufgezeichnet. Die Pappe muss diesmal recht dünn sein, weil sie zerstört werden muss, wenn man die fertige Arbeit abnehmen will. Beide Teile der Tasche werden nämlich zusammenhängend gewebt. Die Kettfäden werden durchlaufend von der einen zur anderen Seite aufgespannt. Auf der geraden Linie, die die Tasche oben begrenzt, wird auf jeder Seite ein Ringen angenäht. Am schönsten sind Glasringe, die man in allen Farben zu kaufen bekommt. Natürlich kann man auch Metallringe verwenden, die man mit Garn überspannt. Auf der Kreislinie werden in gleichen Abständen Löcher durch die Pappe gestochen. Hilfsfäden werden nicht gespannt. Der Anfang des Kettfadens wird mit einem Ring befestigt, durch das erste Loch und durch den Ring auf der anderen Seite und zurück durch das zweite Loch zum Ring auf der Seite geführt usw.., bis alle Löcher durchwandert sind. Das Ende wird wieder im Ring befestigt. Das Durchweben beginnt am Ring. Man webt hin und her bis zum letzten Kettfaden, legt den Faden um diesen herum und webt wieder zurück. Da die Kettfäden, die Strahlen, verschieden lang sind, müssen wir die längeren öfter überweben als die kurzen. Wir legen ab und zu kürzere Zwischenrunden, jeweils einmal hin und einmal her, ein, die nur über die langen Strahlen gehen, bis die Längenunterschiede ausgeglichen sind. Das Anlegen von neuen Fäden wird wie beim Rundweben ausgeführt, indem man kurze Zeit zwei Fäden nebeneinander laufen läßt. Wenn beide Seiten fertiggewebt sind, d.h. wenn sich das Gewebe nicht mehr stark zusammenschieben läßt, zerschneiden wir vorsichtig, ohne die Verbindungsfäden zwischen den beiden Seiten zu zerstören, die Pappe. Fadenenden werden wieder in die linke Seite des Gewebes eingezogen. Die Tasche wird mit passendem Stoff abgefüttert. Das Tragband ist auf Webebretten (siehe dort) dazu passend gewebt (Abb. 10).

Abb. 12. Teewärmer

Die Form für den Teewärmer (Abb. 12) gleicht der Tasche, nur ist diesmal oben und vertauscht. Die Teile hängen nicht zusammen. Es müssen also wieder Hilfsfäden gezogen werden, zwischen denen die Kette für jede Seite getrennt aufgezogen wird. Die Kettfäden laufen nicht durch einen Ring, sondern durch eine Fadenschlinge aus festem Garn, die an der Pappe befestigt ist. Wenn die Arbeit fertig ist, wird die Schlinge gelöst, fest zusammengezogen und verknotet. Die Fadenenden werden in das Gewebe eingezogen. Das Zwischenstück zu den beiden halbrunden Teilen ist auf dem Webebrettchen gewebt.

Abb. 13. Kragen

Der Kragen (Abb. 13) ist aus gelber und strahlendblauer Wolle mit einzelnen Durchschüssen aus weißer, genoppter Wolle gewebt. Die Zeichnung (Abb. 14) zeigt uns das Aufzeichnen der Form und den Kettfadenaufzug.

Abb. 14. Muster und Kettaufzug für einen Kragen

Es müssen zwei verschieden große Kreise um denselben Mittelpunkt gezogen werden. Der Abstand zwischen beiden ergibt die Breite des Kragens. Auf der inneren Kreislinie tragen wir das Maß des Halsumfanges mit einer kleinen Zugabe ab. Die beiden Endpunkte verbinden wir mit dem Mittelpunkt, verlängern diese Striche bis zu der äußeren Kreislinie und erhalten so die Kragenform. Auf der äußeren Linie stechen wir Löcher in gleichen Abständen voneinander durch die Pappe. Da die innere Linie bedeutend kleiner ist als die äußere, müssen natürlich auch die Abstände zwischen den Löchern viel geringer sein. Die Zeichnung macht uns klar, wie wir die richtigen Abstände auf dem Innenkreis durch Verbinden des Mittelpunktes mit den Punkten auf der äußeren Kreislinie erhalten. Zwischen den gespannten Hilfsfäden wird die Kette, wie es uns die Zeichnung zeigt, gespannt. An der inneren Kreislinie entlang beginnt das Durchziehen des Schussfadens. Neue Fäden werden möglichst nicht am Rande, sondern besser mitten in der Arbeit angelegt. Die Webränder müssen sehr glatt und gleichmäßig gearbeitet werden.

Abb. 15. Bastpantoffeln

Zu den vorangegangenen Formen warn noch keine Schnitte nötig, weil die formen mit dem Zirkel aufgezeichnet werden könnten. Zu den Pantoffeln (Abb. 15) müssen wir uns aber einen Schnitt aus Papier schneiden und ihn am Fuße ausprobieren. Als Hilfe kann uns vielleicht ein aufgetrennter, alter Pantoffel dienen. Der Schnitt wird auf die Pappe übertragen.

Abb. 16. Muster zu den Pantoffeln

Die Verteilung der Kettfäden auf dieser Form ist diesmal etwas schwieriger, weil die innere und äußere Linie sehr verschieden in Form und Länge sind. Die Abstände zwischen den Löchern, die wir durch die Pappe stechen, müssen auf der äußeren Linie größer sein als auf der inneren. Besonders an der Spitze wird das allein nicht genügen. Da müssen die Kettfäden so verteilt werden, dass zwei oder mehrere durch dieselbe Hilfsfadenschlinge auf der inneren Linie geführt werden. Wenn die Löcher gestochen sind, werden alle ringsherum mit Hilfsfäden verbunden. Die Form wird nun wieder beidseitig mit Kettfäden bespannt, weil zwei fertige Stücke gebraucht werden. Damit beide Seiten im Muster übereinstimmen, werden sie auch gleichzeitig gewebt. Das Weben beginnt an der inneren Linie. Nach Fertigstellung beider Teile werden sie von der Pappe abgenommen. Die lose hängenden Fadenenden werden befestigt. Die Spitze der Deckplatte wird mit einem starken Faden etwas eingezogen, wodurch die Wölbung der Kappe entsteht. Dann werden die Deckstücke mit dicht aneinanderliegenden Stichen auf die Sohlen aufgenäht. Sind die Deckstücke aus Bast hergestellt, werden auch die Sohlen aus einem festgeflochtenen Bastzopf nach einem Sohlenmuster zusammengenäht, sind sie aus Wolle gearbeitet, so wird der Zopf aus aneinandergenähten Stoffstreifen fest geflochten und zusammengenäht.